Photovoltaik: wie aus Licht Strom wird
Solarzellen wandeln Sonnenlicht direkt in Gleichstrom (DC) um. Mehrere Zellen bilden ein Solarmodul. Die Leistungsangabe in Watt-Peak (Wp) beschreibt die Leistung unter genormten Testbedingungen (1.000 W/m² Einstrahlung, 25 °C Zelltemperatur). Im Alltag liefert ein Modul meist weniger, weil Einstrahlung und Temperatur abweichen.
- In Deutschland erzeugt eine gut ausgerichtete Anlage grob 850–1.100 kWh pro kWp und Jahr, abhängig von Standort, Neigung und Verschattung.
- Südausrichtung bringt den höchsten Jahresertrag; Ost-West-Anlagen verteilen die Erzeugung gleichmäßiger über den Tag.
- Schon teilweise Verschattung kann den Ertrag eines ganzen Strangs mindern – Optimierer oder Mikrowechselrichter helfen bei schwierigen Dächern.
- Moderne monokristalline Module erreichen Wirkungsgrade von etwa 20–23 %. Glas-Glas- und bifaziale Module sind besonders langlebig bzw. nutzen auch das rückseitig einfallende Licht.
Anlagenarten: netzgekoppelt, hybrid oder autark
Netzgekoppelt
Der Solarstrom wird im Haus verbraucht, Überschüsse gehen ins öffentliche Netz. Einfach und wirtschaftlich, ohne Speicher aber keine Versorgung bei Netzausfall.
Hybrid mit Speicher
Ein Batteriespeicher erhöht den Eigenverbrauch. Mit passender Technik (Backup/USV) bleiben wichtige Verbraucher auch bei Stromausfall versorgt.
Insel (Offgrid)
Komplett unabhängig vom Netz – für Gartenhaus, Camper, Boot oder abgelegene Gebäude. Speicher und Modulleistung müssen auf den Bedarf in der dunklen Jahreszeit ausgelegt sein.
Balkonkraftwerk
Steckerfertige Kleinanlage mit Mikrowechselrichter. Seit 2024 bis 800 VA Wechselrichterleistung mit vereinfachter Anmeldung im Marktstammdatenregister.
Wechselrichter: das Herz der Anlage
Wechselrichter wandeln den Gleichstrom aus Modulen oder Batterie in 230-V-Wechselstrom. Welche Bauart passt, hängt von der Anlagenart ab:
- Netz- bzw. String-Wechselrichter speisen PV-Strom ins Hausnetz ein (netzgekoppelte Anlagen).
- Hybrid-Wechselrichter verbinden PV, Batterie und Hausnetz in einem Gerät.
- Mikrowechselrichter sitzen direkt am Modul – ideal für Balkonkraftwerke und teilverschattete Flächen.
- Batterie-Wechselrichter / Inverter-Charger (z. B. Victron MultiPlus oder Quattro) arbeiten am Batteriesystem, laden aus Netz oder Generator und versorgen bei Netzausfall.
- Insel-Wechselrichter erzeugen im Offgrid- und Mobilbetrieb reinen Sinus aus 12, 24 oder 48 V.
Batteriespeicher: Kapazität, Spannung, Chemie
Die Kapazität eines Speichers wird in Kilowattstunden angegeben. Sie ergibt sich aus Amperestunden und Nennspannung:
Energie (kWh) = Kapazität (Ah) × Spannung (V) ÷ 1.000 · Beispiel: 100 Ah × 12,8 V = 1,28 kWh
- LiFePO4 (Lithium-Eisenphosphat) ist heute Standard: sehr zyklenfest (je nach Modell mehrere tausend Vollzyklen), thermisch stabil und nahezu wartungsfrei.
- Blei-Batterien (AGM, Gel) sind günstiger in der Anschaffung, sollten aber nur teilweise entladen werden und altern schneller.
- 12/24/48 V: Je größer die Leistung, desto höher sollte die Systemspannung sein – das reduziert Ströme und Kabelquerschnitte. Heimspeicher arbeiten mit 48 V (Niedervolt) oder mit Hochvolt-Batterien am passenden Hybrid-Wechselrichter.
- Ein Batteriemanagementsystem (BMS) schützt die Zellen vor Über- und Tiefentladung, Überstrom und unzulässigen Temperaturen und kommuniziert idealerweise mit Wechselrichter bzw. Laderegler.
Laderegler: PWM oder MPPT?
In Insel- und Mobilanlagen regelt ein Solarladeregler den Ladestrom vom Modul zur Batterie.
- PWM-Regler sind einfach und günstig, nutzen aber nur einen Teil der Modulleistung, wenn Modul- und Batteriespannung nicht gut zusammenpassen.
- MPPT-Regler halten das Modul im Punkt maximaler Leistung und wandeln höhere Modulspannungen effizient herunter – meist 10–30 % mehr Ertrag, vor allem bei Kälte und Teillast.
- Wichtig bei der Auswahl: Die Leerlaufspannung der Module (Voc) bei niedrigen Temperaturen muss unter der maximalen PV-Eingangsspannung des Reglers bleiben; der maximale Ladestrom muss zur Modulleistung passen.
Kabel & Absicherung
- Der Querschnitt richtet sich nach Strom und Leitungslänge. Bei Niedervolt-DC (12/24 V) fließen hohe Ströme – kurze Wege und ausreichend dicke Kabel halten den Spannungsfall gering (Richtwert: höchstens etwa 3 %).
- Jede Batterieleitung gehört nahe am Batteriepol abgesichert – mit DC-tauglichen Sicherungen (z. B. MEGA-, ANL- oder NH-Sicherungen) passend zum Kabelquerschnitt.
- Solarkabel müssen UV- und witterungsbeständig sein. Steckverbinder (MC4) nur mit kompatiblen Gegenstücken desselben Systems kombinieren.
- Überspannungsschutz und eine fachgerechte Erdung schützen die Anlage, vor allem bei längeren Leitungen auf dem Dach.
Auslegung einer Inselanlage – Schritt für Schritt
- Tagesverbrauch ermitteln: Leistung jedes Geräts × Betriebsstunden pro Tag, aufsummiert in Wattstunden (Wh).
- Speicher bemessen: Batteriekapazität (Wh) ≈ Tagesverbrauch × gewünschte Autonomietage ÷ nutzbare Entladetiefe (LiFePO4 etwa 0,8–0,9).
- Modulleistung abschätzen: PV-Leistung (Wp) ≈ Tagesverbrauch ÷ (Sonnenvolllaststunden pro Tag × Systemwirkungsgrad von etwa 0,7–0,8). Im Winter liegen die Volllaststunden in Deutschland deutlich unter einer Stunde, im Sommer bei mehreren Stunden.
- Komponenten abstimmen: Laderegler, Wechselrichter-Dauerleistung (inklusive Anlaufströmen der Verbraucher), Kabel und Sicherungen.
Beispiel: 1.200 Wh Tagesverbrauch und 2 Tage Autonomie ergeben 1.200 × 2 ÷ 0,85 ≈ 2.800 Wh Speicher, also rund 220 Ah bei 12,8 V. Für den Sommerbetrieb mit 4 Volllaststunden reichen etwa 1.200 ÷ (4 × 0,75) ≈ 400 Wp.
Sicherheit & Vorschriften
- Arbeiten am 230/400-V-Hausnetz und der Anschluss netzgekoppelter Anlagen sind Elektrofachkräften vorbehalten.
- Netzgekoppelte Anlagen und Speicher werden beim Netzbetreiber angemeldet und im Marktstammdatenregister eingetragen; für Balkonkraftwerke genügt die vereinfachte Registrierung.
- Herstellerangaben zu Montage, Belüftung, Temperaturbereich und Absicherung sind verbindlich – im Zweifel lieber nachfragen.